Einem offiziellen Gutachten zufolge bringt das Hautkrebs-Screening keinen Nutzen für Patienten. Zu diesem Schluss kommt das ARD-Magazin „Kontraste“ nach Einsicht in eine Studie des BQS Institutes im Auftrag des gemeinsamen Bundesausschusses für ärztliche Selbstverwaltung. Trotz gestiegener Diagnosen bleibt die Sterblichkeitsrate bei Hautkrebs fünf Jahre nach Einführung der Massenscreenings konstant. Das Verfahren bereichere in erster Linie Ärzte und helfe Krankenkassen im Wettbewerb.

Laut einem ersten offiziellen Gutachten zeigt das Hautkrebs-Screening bei der Vorsorge keine Wirkung. Das berichtet die ARD am 16. April 2015 in ihrem Politmagazin „Kontraste“. Die Redaktion der Sendung erhielt Einblick in eine von 2011 bis 2014 durchgeführte vertrauliche Studie des Instituts BQS. Fünf Jahre nach der bundesweiten Einführung des Massenscreenings bleibt die Mortalitätsrate bei schwarzem Hautkrebs unverändert. Ärzte und Krankenkassen raten allen Bürgern ab 35 zur Hautkrebs-Vorsorge im Zweijahrestakt.

Ein Ärztin nimmt bei einem Patienten das Hautkrebs-Screening vor

Der Nutzen des Hautkrebs-Screenings für Patienten ist unter Medizinern umstritten. Foto: © Miriam Dörr – fotolia.com

Überdiagnose und falsche Sicherheit

Seit Einführung des bundesweiten Hautkrebs-Screenings ist die Zahl der Diagnosen um 25 Prozent gestiegen. Professor Hans-Werner Hense vom Krebsregister Münster spricht in der ARD-Sendung von einer Überdiagnose: Die Hautkrebs-Vorsorge entdeckt zu 50% sog. „Krebs-Vorstufen“. Sie entwickeln sich nicht zwangsläufig zum tödlichen Hautkrebs, dem Melanom. Bei der anderen Hälfte der Diagnosen handelt es sich in der Mehrzahl um langsam wachsende Formen von Hautkrebs. Sie sind weniger gefährlich. Die tödlichen Melanome übersehen Ärzte noch immer.

Diese Überdiagnose von häufig harmlosen Hautveränderungen führt laut Prof. Hense zu einem weiteren Problem. Patienten wiegen sich in falscher Sicherheit. Hautkrebs gilt heute als die häufigste Krebsform in der Bundesrepublik. Entdeckt der Hautarzt beim Hautkrebs-Screening unbedenkliche Veränderungen der Haut, achten Patienten selbst weniger auf Veränderungen ihrer Haut. Tritt in den zwei Jahren bis zum nächsten Screening-Termin ein lebensgefährliches Melanom auf, bleibt es unentdeckt. So habe die Vorsorge sogar einen negativen Effekt.

Wackelige Basis bei der Einführung

Die Einführung des deutschlandweiten Hautkrebs-Screenings geht auf einen 2003 im Bundesland Schleswig-Holstein durchgeführten Versuch zurück. Dort senkte die Vorsorge-Untersuchung angeblich die Sterberate bei malignen Melanomen. Experten kritisieren im ARD-Magazin das Fehlen einer vergleichenden Untersuchung und ziehen das 2003 erzielte Ergebnis in Zweifel. In ihren Augen bleibt ohne einen Rückgang der Zahl der Hautkrebs-Toten der Beweis für die Nützlichkeit des Screenings aus.

Vorteile nur für Ärzte und Krankenkassen

Trotz zweifelhafter Ergebnisse machte die Ärztelobby laut ARD genug Druck, um eine bundesweite Einführung des Hautkrebs-Screenings zu erreichen. Als Grund nennt das Magazin das Geld. Für die Hautkrebs-Vorsorge bei einem gesunden Menschen erhalten Ärzte im Schnitt 22 Euro auf drei Monate. Zum Vergleich: Für die Behandlung eines regulären Patienten bekommen Mediziner über den gleichen Zeitraum durchschnittlich zwölf Euro.

Die gesetzlichen Krankenkassen bezuschussen das Hautkrebs-Screening jährlich mit ca. 130 Millionen Euro. Neben der Risikogruppe der Bundesbürger ab 35 Jahren erweitern viele Kassen ihr Angebot auf andere Altersgruppen wie z.B. Teenager ab 14 Jahren. Unter den 14- bis 34-Jährigen sterben jährlich nur 45 Menschen an Hautkrebs. Die ARD geht davon aus, dass Krankenkassen die Angst vor Hautkrebs nutzen, um potentielle Versicherte für sich zu gewinnen.

Formen von Hautkrebs

Die Medizin unterscheidet zwischen schwarzem und weißem Hautkrebs. Beide Formen entstehen durch UV-Licht, also Sonneneinstrahlung. Ärzte bezeichnen den schwarzen Hautkrebs als Melanom. Besonders das „dicke Melanom“ gilt als gefährlich. Es wächst schnell in die Haut ein und bildet oft Metastasen, ehe das Hautkrebs-Screening es entdeckt. Das maligne Melanom gilt als die aggressivste Form der Tumorerkrankung.

Der weiße Hautkrebs stellt eine schwächere Variante der Krebserkrankung dar. Er schreitet langsamer voran und bildet selten Metastasen. Er tritt als Basalzellkarzinom oder als spinozelluläres Karzinom auf. Beide Formen entstehen in den Hautepitheln und somit auf der Hautoberfläche. Das erleichtert die operative Entfernung und Heilung von weißem Hautkrebs.

Wie schütze ich mich?

UV-Licht bzw. Sonneneinstrahlung bildet den Hauptauslöser von Hautkrebs. Ob Sie zum Screening gehen oder nicht: Es gibt viele Möglichkeiten, sich vor der Erkrankung zu schützen. Cremen Sie sich im Sommer mit einer Sonnenschutzcreme mit Lichtschutzfaktor 20 ein und vermeiden Sie Sonnenbrände. Achten Sie bei Kleinkindern auf einen LSF von 30. Leichte, langärmelige Kleidung und Kopfbedeckungen bieten zusätzlichen Schutz.

Lassen Sie beim Schwimmen im Freien besondere Vorsicht walten! Das Wasser wirkt wie ein Brennglas und verstärkt die Kraft der Sonne. Schwimmen Sie im T-Shirt oder cremen Sie sich vor dem Plantschen in der prallen Sonne erneut ein. Meiden Sie das Solarium! Die intensive UV-Strahlung auf der Sonnenbank fördert Hautkrebs. Generell gilt: Gehen Sie Ihren Kindern beim Thema Sonnenschutz mit gutem Beispiel voran!