Fliegenpilze gehören zu den giftigsten Pilzen

Pilzvergiftungen ziehen wir uns nicht nur durch Giftpilze wie den Fliegenpilz zu. Foto: © Ingo Bartussek – Fotolia.com

Beim Pilze sammeln gilt es einige Regeln zu beachten. Unvorsichtige Sammler riskieren eine Pilzvergiftung und die fällt mitunter lebensbedrohlich aus. Bundesweit stiegen die Fälle von Vergiftungen durch den Verzehr von Pilzen im vergangenen Jahr an. Wichtig ist, dass nicht alle Pilzvergiftungen gleich verlaufen. Das Thema ist aktuell, denn dank des feuchten Sommers sprießen die Pilze in diesem Jahr früh.

Mit einer Pilzvergiftung ist nicht zu spaßen. Wer beim Sammeln nicht richtig hinsieht, greift versehentlich nach einem faulen Exemplar oder verwechselt einen Speisepilz mit einem gefährlichen Doppelgänger. Die Folgen sind im schlimmsten Fall tödlich. Die DAK weist in einer aktuellen Mitteilung auf den Anstieg von Vergiftungen durch Pilzkonsum hin. Hier lautet die Devise: Sammeln Sie nur Ihnen bekannte Pilze und beachten Sie die Verwechslungsgefahr!

Primäre Pilzvergiftungen

Pilzvergiftungen verlaufen unterschiedlich. Die Bezeichnung steht als Oberbegriff für eine Reihe an verschiedenen Vergiftungen durch den Verzehr von Pilzen. Die Medizin unterscheidet zwischen primärer und sekundärer Pilzvergiftung. Eine primäre Vergiftung entsteht durch direkt im Pilz enthaltene Giftstoffe. Klassische Beispiele hierfür liefern die lebensgefährlichen Gifte im grünen Knollenblätterpilz oder im Fliegenpilz.

Entscheidend für die Genesung bei einer primären Pilzvergiftung ist die sog. Latenzzeit. Dieser Begriff bezeichnet den Zeitraum zwischen dem Verzehr eines giftigen Pilzes und dem Auftreten der ersten Symptome. Sowohl die Latenzzeit als auch die Vergiftungserscheinungen unterscheiden sich je nach Giftpilz stark.

In günstigen Fällen treten bei einer primären Pilzvergiftung Symptome wie Übelkeit und Erbrechen rasch nach dem Verzehr auf (geringe Latenzzeit). So scheidet der Körper einen Großteil des Giftes aus, ehe es in den Blutkreislauf gelangt. Einige Pilzgifte weisen eine lange Latenzzeit auf. Dies zieht oft bleibende körperlicher Schäden nach sich.

Verhalten bei einer primären Pilzvergiftung

Bei einer primären Pilzvergiftung ist rasches Handeln geboten. Wenden Sie sich bei Verdacht auf eine Pilzvergiftung dringend an einen Arzt und rufen Sie bei schweren Symptomen den Notarzt! Versuchen Sie bis zum Eintreffen des Arztes, zu erbrechen. So befördern Sie einen Teil der aufgenommenen Gifte aus Ihrem Körper. Kontaktieren Sie beim Verdacht auf eine Vergiftung den Giftnotruf. Nach Schilderung der Symptome erhalten Sie dort Hilfe zum Verhalten bei einer Pilzvergiftung.

Werfen Sie die giftigen Pilze nicht in den Müll! Die genaue Kenntnis des verzehrten Pilzes ist bei einer primären Pilzvergiftung überlebenswichtig. Übergeben Sie dem Arzt oder Notarzt alle Reste der Pilzmahlzeit. Im besten Fall sind noch unzubereitete Exemplare des Giftpilzes übrig. Kennt der behandelnde Arzt den Giftpilz, steigen die Chancen einer erfolgreichen Behandlung der Vergiftung.

Sekundäre Pilzvergiftungen

Haben Sie nach dem richtigen Pilz gegriffen, ist die Gefahr einer Pilzvergiftung nicht gebannt. Durch ihren hohen Eiweißgehalt faulen Speisepilze schnell. Dieser Prozess setzt Harnstoff und Ammoniak frei. Bei Verzehr rufen die Stoffe Magen-Darm-Beschwerden hervor. Die Medizin bezeichnet dies als sekundäre oder „unechte“ Pilzvergiftung, weil der Speisepilz selbst nicht giftig war. Verzichten Sie auf das Sammeln von nassen oder fauligen bzw. von Maden befallenen Pilzen. Bissspuren stellen ein weiteres Warnzeichen dar.

Transportieren Sie die gesammelten Pilze aufgrund ihrer geringen Haltbarkeit in offenen Behältern wie Körben. Bei abgeschlossenem Transport z.B. in einer Plastiktüte setzt der Fäulnisprozess bereits auf dem Heimweg ein. Verzehren Sie Ihre Ausbeute aus dem gleichen Grund spätestens einen Tag nach dem Sammeln. So vermeiden Sie eine sekundäre Pilzvergiftung durch faule Pilze. Getrocknet oder eingefroren sind Speisepilze länger haltbar.

Gute Vorbereitung ist das A und O

Wer sich auf die Suche nach Speisepilzen begibt, studiert am besten vorher ein Buch, in dem genießbare und gefährliche Pilze mit detaillierten Abbildungen beschrieben sind. Genaue Kenntnis der Fruchtkörper senkt die Wahrscheinlichkeit einer Pilzvergiftung durch Irrtum oder Verwechslung.

Viele Pilzexperten bieten Lehrwanderungen an, um Pilzvergiftungen vorzubeugen. Hier erklären sie die Unterschiede zwischen Speise- und Giftpilzen und verdeutlichen die Verwechslungsgefahr. Viele dieser Experten bieten Sammlern die Möglichkeit, ihren Fund vor dem Essen begutachten zu lassen.