Heilerde hat die unterschiedlichsten Anwendungsmöglichkeiten

Heilerde hat in der Medizin vielfältige Anwendungsmöglichkeiten. Foto: © PhotoSG – Fotolia.com

Heilerde kommt seit hunderten von Jahren in der Medizin innerlich und äußerlich als wirksames Mittel gegen Verdauungsbeschwerden, Hautkrankheiten wie Schuppenflechte und Verletzungen zum Einsatz. Darüber hinaus eignet sie sich hervorragend zur Haut- und Schönheitspflege, z. B. bei Rosacea. Einmal ausgetrocknet bildet eine Packung des mineralhaltigen Schlamms ein natürliches und schonendes Peeling.

Dank ihrer hohen Feinkörnigkeit bindet diese Erde Mineralien und Spurenelemente an sich und ist so reich an lebenswichtigen Stoffen wie Kalzium oder Magnesium. Das verleiht der Heilerde ihre gesundheitsfördernde Wirkung. Heilerde finden wir nicht überall. Bei dem gesunden Staub handelt es sich um von der Eiszeit fein gemahlenes Schluff (Sedimentgestein). Geologen nennen dies Löss. Der Wind hat es über die Jahrtausende zu seinen Ablagerungsstätten geweht.

Kosmetische Anwendung bei Roascea

Die äußere Anwendung der Heilerde ist vielen Menschen in der Theorie bekannt. Vermengt mit Wasser ergibt der Löss einen feinen Brei. Tragen wir diesen auf die Haut auf, trocknet er von außen nach innen. Dabei saugt die Masse wie ein Schwamm Schadstoffe und Fett aus der Haut und reinigt sie. Ist der der Schlamm vollständig ausgehärtet, bröseln Sie ihn ab und reinigen die Haut mit Wasser. Das Abklopfen der Heilerde entfernt die oberste Zellschicht der Haut und gleicht einem kosmetischen Peeling.

Diese äußere Anwendung von Heilerde geht mit einer starken Austrocknung der Haut einher. Daher eignet sie sich gut zur Behandlung von Hautkrankheiten wie Schuppenflechte, Akne und Rosacea. Möchten Sie auf diese austrocknende Wirkung verzichten, entfernen Sie die Heilerde nach kürzerer Anwendung. Sie trocknet dann nicht vollständig an. Setzen Sie die Erde bei Schwellungen und Juckreiz öfter ein. Die Schlammpackung sorgt für angenehme Kühlung und Linderung.

Entstauung und Wundheilung

Dicker aufgetragen schafft eine Packung aus Heilerde Abhilfe bei Stauungen wie Krampfadern oder Lymphstauungen. Die ca. einen Zentimeter dicke Schicht zieht sich beim Aushärten zusammen. Die so entstehende Spannung fördert den Abfluss des Lymph- und Venensystems ähnlich einer Kompression.

Trocken dient die Heilerde der Wundheilung. Tragen Sie das Pulver wie Puder auf blutende oder nässende Wunden auf. Es saugt Blut und Sekret sofort auf und bildet eine Kruste. Unter dieser schützenden Schicht setzt sodann die Wundheilung ein. Dank ihrer feinen Beschaffenheit bietet Heilerde Keimen und Erregern keinen Nährboden. Haben Sie also keine Angst, die Wunde zu verunreinigen.

Heilerde gegen Magen-Darm-Störungen

Die innere Anwendung der Heilerde zielt auf eine Vielzahl von Verdauungsbeschwerden. Dazu zählen Magen-Darm-Probleme, Sodbrennen, vorzeitiges Völlegfühl und Appetitlosigkeit. Die Erde fängt dank ihrer Saugfähigkeit überschüssige Magensäure auf oder hilft beim Zermahlen von Speisen. Sie fördert den Abtransport von Giften und Keimen, indem sie diese an sich bindet. Im unteren Verdauungstrakt bindet die Heilerde überschüssige Galle und eignet sich zur Behandlung von Verstopfung oder Durchfall.

Durch ihren Reichtum an Mineralien führt die Heilerde dem Körper wertvolle Stoffe zu. Nehmen wir die Erde zu uns, gewinnt unser Körper aus ihr lebenswichtige Spurenelemente und Mineralstoffe wie Kalium, Silizium, Kalzium oder Magnesium. Heilerde bindet neben Magensäure und Galle auch Cholesterin und hilft daher bei der Behandlung von Störungen des Fettstoffwechsels.

Eine jahrtausendealte Tradition

Erde kommt seit Menschengedenken für unser Wohlbefinden zur inneren und äußeren Anwendung. Schon Urmenschen nahmen geringe Mengen über den Verzehr von Pflanzen auf und bedeckten ihre Haut mit Schlamm. In der Antike spielte Heilerde in der beginnenden Medizin eine wichtige Rolle und stellte ein begehrtes Handelsgut dar. Im Mittelalter galt in unseren Breiten vor allem die rote Tonerde als ein wirksames Heilmittel.

Ärzte verwendeten sie zur Behandlung von Leiden wie Bluterbrechen. Gemischt mit Pflanzensäften verordneten sie sie ihren Patienten bei gestörter Verdauung und Durchfall. Sie galt als wirksames Mittel gegen Seuchen und Fieber. Ihren guten Ruf in der heutigen Zeit verdankt die Heilerde dem „Kräuterpfarrer“ Sebastian Kneipp. Er gründete im 19. Jahrhundert das weltweit erste „Wellness-Zentrum“ in Bad Wörishofen. Dort wandte er den Lehm der nahegelegenen Ziegelei in Wadenwickeln zur Hemmung von Entzündungen und Stärkung der Venen an.