Die Hyposensibilisierung ist die einzige ursächliche Behandlung von Heuschnupfen. Durch die fortwährende Gabe von Allergenen lernt das Immunsystem, auf den Stoff nicht länger übermäßig zur reagieren. Patienten unterziehen sich dem Verfahren über einen Zeitraum von mehreren Jahren. Im Falle einer Kurzzeit-Therapie sinkt die Dauer auf eine Woche. Die Kosten übernimmt die Krankenkasse.

Die Hyposensibilisierung ist die wirkungsvollste Behandlung von Heuschnupfen. Anders als Medikamente wie Kortison bekämpft diese spezifische Immuntherapie nicht die Symptome, sondern die Ursache der allergischen Rhinitis. Diese liegt in einer irrtümlichen Abwehrreaktion des Immunsystems. Durch den fortlaufenden Kontakt mit dem Allergen lernen unsere Abwehrkräfte, dass der Stoff keine Gefahr bedeutet.

Heuschnupfen plagt jährlich 15 bis 20 Prozent der Bevölkerung. Die oftmals schweren Symptome führen pro Jahr zu einer Million Fehltagen. Bleibt die Erkrankung unbehandelt, droht in 40 Prozent der Fälle ein „Etagenwechsel“ zum Asthma. Die Kosten der Hyposensibilisierung trägt die Krankenkasse.

Eine Injektion in den Oberarm zur Hyposensibilisierung

Hyposensibilisierung ist die einzige ursächliche Behandlung von Heuschnupfen. Foto: © Adam Gregor – Fotolia.com

Wie funktioniert die Hyposensibilisierung?

Das Ziel der Hyposensibilisierung ist eine Veränderung der Isotypen in den B-Zellen. Sie produzieren unsere Antikörper. Durch die spezifische Immuntherapie stellt unser Körper anstelle des Heuschnupfen auslösenden Immunglobulin-E (IgE) das Immunglobulin-B her.

Nach einer erfolgreichen Behandlung beseitigen unsere Abwehrkräfte die Allergene, ehe es zu einer allergischen Reaktion durch das IgE kommt. Die Hyposensibilisierung hat Erfolg, weil sie das Immunsystem stetig mit großen Mengen des Allergens konfrontiert. Es lernt, dass der Stoff ungefährlich ist. Bei Heuschnupfen hingegen hat es der Körper in unregelmäßigen Abständen mit kleinen Mengen zu tun. Sie reichen für den „Lerneffekt“ nicht aus.

Behandlungsverlauf: Kosten trägt Krankenkasse

Für die Hyposensibilisierung überweist Sie Ihr Hausarzt an den Allergologen. Er verabreicht über einen Zeitraum von drei bis fünf Jahren hochdosierte Mengen des jeweiligen Allergens. Die spezifische Immuntherapie ist in Steigerungsphase und Erhaltungsphase unterteilt.

Im ersten Abschnitt verabreicht der Arzt das Allergen zwei- bis dreimal pro Woche über 16 Wochen hinweg. Die Dosis steigert er von Sitzung zu Sitzung bis zur Höchstmenge. In der zweiten Phase erhält der Patient über einen Zeitraum von maximal fünf Jahren alle vier bis sechs Wochen die Höchstdosis des Allergens. Bei den Kosten springt die Krankenkasse ein.

Welche Formen der Hyposensibilisierung bestehen?

Die gängigste Form der Hyposensibilisierung stellt die subkutane Immuntherapie dar. Bei ihr spritzt der Arzt einen Extrakt des Allergens in wässriger Lösung unter die Haut ins Fettgewebe des Oberarms. Diese Art der spezifischen Immuntherapie kommt am häufigsten bei Pollenallergien zum Einsatz.

Bei der sublingualen Immuntherapie erhält der Patient das Allergen in Form von Tabletten oder Tropfen. Er behält das Präparat zwei Minuten unter der Zunge, ehe er es herunterschluckt. Anders als die subkutane Immuntherapie ist diese Behandlung ohne ärztliche Aufsicht zuhause durchführbar. Die sublinguale Immuntherapie steht bisher nur für Gräserpollen-Allergiker zur Verfügung.

Eine schnellere Variante zur Behandlung von Heuschnupfen bietet die Kurzzeit-Immuntherapie. Diese Art der Hyposensibilisierung stützt sich auf die Gabe von hoch dosierten, reinen Allergenextrakten. Anders als die subkutane und die sublinguale Anwendung startet sie mit der höchsten Dosis. So verringert sich die Dauer der Behandlung auf vier bis acht Injektionen innerhalb einer Woche.

Welche Risiken birgt die Hyposensibilisierung?

Die Hyposensibilisierung findet immer unter Aufsicht eines Allergologen statt, da die Verabreichung von konzentrierten Allergenen ein grundsätzliches Risiko bedeutet. Die subkutane Immuntherapie bewirkt Lokalreaktionen wie eine Schwellung und Rötung der Einstichstelle. Nach wenigen Tagen legen sich diese Symptome. Auch typische Heuschnupfen-Symptome wie Atemnot, Juckreiz oder Niesanfälle zählen zu den Begleiterscheinungen der spezifischen Immuntherapie.

Selten kommt es bei der Hyposensibilisierung zu einem allergischen Schock. Er führt zum Zusammenbruch des Kreislaufs und bedeutet akute Lebensgefahr. Den Grund für diese Schockreaktion des Körpers bildet die falsche Dosierung des Allergens. Ein allergischer Schock tritt in seltenen Fällen jedoch ohne nachvollziehbare Ursache auf. Um dem vorzubeugen, behalten viele Allergologen Heuschnupfen-Patienten nach der Injektion eine halbe Stunde unter Beobachtung.

Wann ist eine Hyposensibilisierung ausgeschlossen?

Eine Therapie von Heuschnupfen mittels Hyposensibilisierung kommt nicht in Frage, sofern der Patient unter unbehandeltem Asthma leidet. Eine laufende Therapie mit Betablockern sowie schwere Erkrankungen von Herz und Kreislauf bedeuten zu hohe Risiken für eine spezifische Immuntherapie. Krebspatienten und schwangere Frauen müssen ebenfalls von einer Hyposensibilisierung absehen.

Sprechen zu viele Faktoren gegen die Hyposensibilisierung, bieten sich den Patienten einige Alternativen. Um akute Symptome von Heuschnupfen in den Griff zu bekommen, eignet sich die Behandlung mit Antihistaminika. Kortison stellt das wirksamste Medikament gegen allergische Symptome dar. Bei einer akuten allergischen Rhinitis wirkt es abschwellend auf die Schleimhäute in Nase und Bronchien und lindert die Atemnot. Der Rest des Körpers bleibt vom Kortison unberührt.

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