Psychische Probleme am Arbeitsplatz wie Depression und Burnout werden immer häufiger. Das zeigt sich in der öffentlichen Diskussion. Aus Angst vor Unverständnis verschweigt die Mehrzahl der betroffenen Arbeitnehmer ihre Beschwerden – das verdeutlicht eine aktuelle Studie der DAK.

Die Zahl der Krankschreibungen aufgrund von Überforderung ist schon in den Jahren 2005 auf 2006 um zehn Prozent angestiegen. Das fand die Techniker Krankenkasse in einer Erhebung zum Thema heraus. Die Betroffenen haben in vielen Fällen Angst davor, ihrem Chef ihr Leid zu klagen. Ein Viertel der in ihrer Psyche belasteten Angestellten verheimlicht seine Schwierigkeiten und geht weiter zur Arbeit – mit schwerwiegenden Folgen.

Büroangestellte mit Burnout an ihrem Schreibtisch

Achten Sie bei sich auf Anzeichen eines Burnouts, denn er kommt oft schleichend. Foto: © WavebreakmediaMicro – Fotolia.com

Angst vor Ausgrenzung von oben

Laut dem aktuellen DAK-Gesundheitsreport stellen seelische Erkrankungen inzwischen den dritthäufigsten Grund für Fehltage im Beruf dar. Diese Zahl fällt so hoch aus, obwohl ein Viertel der Leidenden seine Beschwerden nicht öffentlich macht. In der ersten Hälfte dieses Jahres machten psychische Probleme 13 Prozent aller Krankschreibungen aus.

Das größte Problem ist die Angst der Arbeitnehmer, ihre Leiden könnten nicht ernst genommen werde. Jedoch schneiden sich Arbeitgeber, die nicht auf die Bedürfnisse ihre Angestellten eingehen, auf lange Sicht ins eigene Fleisch: Die Studie der DAK ergab, dass die Leistung eines fähigen Mitarbeiters bei psychischer Belastung um gute 70 Prozent absinkt – die Stigmatisierung seelisch erkrankter Angestellter ist geschäftsschädigend.

Probleme am Arbeitsplatz? Auszeit gönnen bevor Depressionen auftreten

Verheimlichen und verdrängen wir die seelische Belastung im Beruf zu lange, droht im schlimmsten Fall der Burnout oder eine Depression. Der Beginn ist schleichend: Oft merken wir erst zu spät, dass sich die anfängliche Begeisterung in der neuen Arbeit in Frust und Ernüchterung gewandelt hat. Ein erhöhtes Risiko besteht z.B. für Angestellte zwischen den Hierarchien (sog. Sandwich-Positionen), Menschen mit häufig wechselnden Arbeitszeiten und gestresste Eltern.

Behalten Sie sich selbst im Auge, um Anzeichen für psychische Probleme am Arbeitsplatz zu erkennen. Nehmen Sie sich Ihre Freizeit – auch wenn es schwerfällt: Freie Tage dienen der Entspannung! Der Chef ist ebenfalls in der Pflicht: Befindet sich ein Mitarbeiter in der verdienten Freizeit, ist ein Anruf tabu. Die DAK fordert mehr Aufklärung beim Verständnis berufsbedingter Erkrankungen.

Das Bundesministerium für Arbeit geht hier mit gutem Beispiel voran – um die Selbstausbeutung der Mitarbeiter zu verhindern, dürfen sie nur noch in den dringlichsten Fällen nach Dienstschluss gestört werden. Einige Unternehmen bieten ihren Angestellten heute Kurse an, die dem Gleichgewicht von Beruf und Privatleben helfen.